Griechischer Wein in der Byzantinischen Ära



Griechischer Wein in der Byzantinischen Ära


Die Tradition der Weinherstellung in den klassischen Anbaugebieten Griechenlands wuchs und gedieh während der byzantinischen Jahre. Besonders das orthodoxe Christentum war eng mit dem Konsum von Wein verflochten. Bei religiösen Zeremonien wurde wahrhaftig geglaubt, dass sich Wein in das Blut Christi transformierte. Ego eimi I ampelos – Ich bin der Wein ist eine von zahlreichen religiösen Bezugnahmen auf Christus, die in altertümlichen Fresken und religiösen Ikonen gefunden wurden. In vielen archäologischen Ruinen wurden beeindruckende byzantinische Weinkelche gefunden. Die Christen verboten die Huldigung zu dem historischen Gott Dionysos, jedoch blieb Wein ein wichtiger Teil religiöser christlicher Zeremonien, und somit folgte man althergebrachter Tradition. Die byzantinischen Griechen verglichen ihr Königreich mit einem geschützten Weinberg und ihre Hauptstadt Konstantinopel war den Angelsachsen als Winbourg - Die Stadt des Weines bekannt.

Während der Kreuzzüge kamen viele Europäer erstmalig mit griechischem Wein in Berührung. Besonders die griechischen Muskat-Weine waren bei den Europäern sehr beliebt und wurden als die edelsten aller griechischen Weine betrachtet, und waren daher wohlhabenden Edelleuten vorbehalten. Im dreizehnten Jahrhundert tauchten griechische Muskat-Weine erstmalig in Süd-Frankreich auf. In dieser Zeit waren Kreta, Zypern, Lesbos, Samos, Euböa (gespr. Evia) und der Peloponnes die beliebtesten Weinanbaugebiete Griechenlands.

Mit dem Untergang des byzantinischen Reiches begann auch der Rückgang der Weinbau-Tradition in Griechenland, die dann überwiegend in regionalen Klöstern fortgesetzt wurde. Für diese Klöster war Weinbau ein elementarer Bestandteil des Alltags und die Mönche waren dafür bekannt, die Weinberge ganz besonders zu kultivieren. Nach dem Ende von Byzanz folgte für die Bauern eine schwierige Zeit, so dass oftmals Land an die Klöster verkauft werden musste, die vielerorts wohlhabend genug waren, um die neuesten Weinbautechniken anzuwenden.

Zwischen dem dreizehnten und sechzehnten Jahrhundert waren viele Regionen Griechenlands von den verschiedensten europäischen Großmächten besetzt. Während dieser Jahre waren besonders die griechischen Malvasia-Weine sehr beliebt. Malvasia oder Malvoise war die europäische Übersetzung für die mittelalterliche Festung Monemvassia, die sich an der Südspitze des Peloponnes befindet. Vom Hafen dieser Festung wurde ein delikater Dessert-Wein gleichen Namens Monemvassia versendet. Während der Jahre in denen die Venezianer den Weinhandel im Mittelmeerraum bestimmten, war die Nachfrage nach diesem Wein Monemvassia besonders hoch.

Während der Herrschaft des Osmanischen Reiches besetzten die Osmanen Monemvassia und zwangen die Venezianer ihre Produktion der kostbaren griechischen Malvasia-Weine nach Kreta zu verlagern. Die Venezianer produzierten Malvasia für weitere 300 Jahre, bis auch Kreta unter osmanische Herrschaft fiel. Schließlich brachten die Venezianer ihre Weine nach Italien, wo sie begannen Malvasia auf eigenem Boden zu kultivieren. Die italienischen Rebsorten Malvasia di Candia, Malvasia Bianca und Malvasia Nera sind also über Kreta nach Italien gewandert, deren Ursprung liegt aber in Monemvassia.

Die Vinsanto-Weine von Santorin waren in dieser Zeit ebenfalls sehr beliebt. Vinsanto ist ein von Natur aus süßer griechischer Wein, der seit dem Altertum klassischerweise auf Santorin vinifiziert wird. Die Trauben wurden in der Sonne getrocknet, wovon sich deren Name (He-)Liasta [die sonnengetrockneten] ableitet, entsprechend dem griechischen Wort für Sonne Helios. Während die Venezianer den Handel mit griechischem Wein auf den Kykladen kontrollierten, legten ihre Schiffe oftmals auf Santorin an, um den wohlschmeckenden griechischen Dessert-Wein aufzunehmen. Die Venezianer benannten diese griechischen Weine Santo oder auch Vino Santo nach der gleichnamigen Insel. Die beliebten Vinsanto-Weine wurden nach Kreta, anderen Inseln der Kykladen-Gruppe, Konstantinopel, Klein-Asien und sogar Russland versendet. Mit Frankreichs zunehmender Herrschaft über den Handel in den Kykladen begannen die Venezianer Vinsanto-Weine auf eigenem Boden zu kultivieren, eine Tradition, die bis zum heutigen Tage gepflegt wird.
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